Warum sollte jemand einen neuen Kernel kompilieren wollen? Es ist oft nicht nötig, da der Standardkernel in Debian die meisten Konfigurationen bedient. Allerdings kann es unter folgenden Umständen nützlich sein, einen neuen Kernel zu kompilieren:
spezielle Hardwareanforderungen bewältigen oder Hardwarekonflikte mit den vorkompilierten Kernels
Hardware oder zusätzliche Optionen unterstützen, die im Standardkernel nicht enthalten sind, wie z.B. APM oder SMP
den Kernel optimieren durch Entfernen von nicht benötigten Treibern, um die Bootzeit zu verkürzen
Optionen des Kernels nutzen, die vom Standardkernel nicht unterstützt werden, wie z.B. Unterstützung für viel Arbeitsspeicher (high memory support)
einen aktualisierten oder Entwicklungskernel verwenden
seine Freunde beeindrucken, neue Sachen ausprobieren
Sie brauchen keine Angst davor zu haben, auszuprobieren, einen eigenen Kernel zu kompilieren. Es macht Spaß und lohnt sich.
Um auf die debiansche Art einen Kernel zu kompilieren, benötigen Sie ein paar Pakete: kernel-package, kernel-source-2.4.27 (dies war die neueste Version zum Zeitpunkt, als dies geschrieben wurde), fakeroot und ein paar weitere, die vielleicht schon installiert sind (/usr/share/doc/kernel-package/README.gz enthält die komplette Liste).
Diese Methode erstellt ein .deb-Paket aus den Kernelquellen und, falls Sie Nicht-Standard-Module verwenden, auch ein synchrones .deb für diese Module. Es ist ein besserer Weg, um die Kernel-Images zu verwalten (verglichen mit der Nicht-Debian-Methode, einen Kernel zu erzeugen); /boot enthält den Kernel, die dazugehörige System.map und ein Log der aktiven Konfigurationsdatei für den Bau des Kernels.
Beachten Sie, dass Sie Ihren Kernel nicht auf „Debian-Art“ kompilieren müssen, aber wir meinen, dass es erheblich sicherer und einfacher ist, das Paketsystem zur Verwaltung der Kernel zu verwenden. Sie können auch Ihre Kernelquellen direkt von Linus beziehen statt aus dem kernel-source-2.4.27-Paket, aber trotzdem die kernel-package-Methode zum Kompilieren nutzen.
Sie finden eine komplette Dokumentation zur Nutzung von kernel-package unter /usr/share/doc/kernel-package. Dieses Kapitel gibt nur eine kurze Einführung.
Wir gehen hier davon aus, dass Sie freien Zugriff auf Ihren Rechner haben und die Kernelquellen irgendwo in Ihr Home-Verzeichnis entpacken werden[8]. Ebenso gehen wird davon aus, dass die zu bauende Kernel-Version 2.4.27 ist. Vergewissern Sie sich, dass Sie sich in dem Verzeichnis befinden, in das Sie die Kernelquellen entpacken möchten und extrahieren Sie sie mittels tar xjf /usr/src/kernel-source-2.4.27.tar.bz2. Wechseln Sie in das Verzeichnis kernel-source-2.4.27, das erzeugt wurde.
Sie können jetzt Ihren Kernel konfigurieren. Führen Sie make xconfig aus, wenn X11 installiert, konfiguriert und gestartet ist; andernfalls nehmen Sie make menuconfig (hierzu muss das Paket libncurses5-dev-Paket installiert sein). Nehmen Sie sich die Zeit, die Onlinehilfe zu lesen, und wählen Sie sorgfältig die Optionen aus. Wenn Sie Zweifel haben, ist es typischerweise besser, den zweifelhaften Gerätetreiber mit in den Kernel zu integrieren (ein Gerätetreiber ist ein Stück Software, das Hardware-Peripherie verwaltet, wie z.B. Ethernetkarten, SCSI-Controller und so weiter). Seien Sie vorsichtig: andere Optionen, die nicht zu einer bestimmten Hardwarekomponente gehören, sollten Sie auf dem Standardwert belassen, wenn Sie sie nicht verstehen. Vergessen Sie nicht, den „Kernel module loader“ unter „Loadable module support“ zu aktivieren (diese Option ist standardmäßig nicht aktiv). Tun Sie dies nicht, wird Ihr Debian-System Probleme machen. „Kernel module loader“
Säubern Sie den Kernelquellen-Baum und setzen Sie die kernel-package-Parameter zurück. Dies erledigen Sie mit make-kpkg clean.
Kompilieren Sie jetzt den Kernel mit: fakeroot make-kpkg --revision=custom.1.0 kernel_image. Die Versionsnummer „1.0“ können Sie nach Belieben ändern. Sie wird nur von Ihnen selbst verwendet, um Ihre verschiedenen Kernel zu verwalten. Ebenso können Sie jedes andere Wort statt „custom“ verwenden (z.B. den Host-Namen des Rechners). Die Kernelkompilierung könnte eine Weile dauern, abhängig von der Leistungsfähigkeit Ihres Rechners.
Sobald die Kompilierung beendet ist, können Sie Ihren eigenen Kernel wie ein Paket installieren. Tippen Sie als root dpkg -i ../kernel-image-2.4.27-subarchitecture_custom.1.0_mips.deb ein. Der Teil subarchitecture im Dateinamen ist eine optionale Unterarchitektur, abhängig davon, welche Kerneloptionen Sie gesetzt haben. dpkg -i kernel-image... installiert den Kernel zusammen mit ein paar anderen dazugehörigen Dateien. Zum Beispiel wird die System.map korrekt installiert (dies ist nützlich für die Fehlersuche bei Kernelproblemen) und /boot/config-2.4.27 wird installiert, sie enthält Ihre aktuelle Konfiguration. Ihr neues kernel-image-2.4.27-Paket ist ebenfalls clever genug, automatisch eine Aktualisierung Ihres Bootloaders zu starten, die es Ihnen erlaubt, den neuen Kernel zu booten, ohne den Bootloader neu konfigurieren zu müssen. Wenn Sie auch ein Modul-Paket erzeugt haben, weil Sie z.B. PCMCIA benötigen, müssen Sie auch dieses Paket noch installieren.
Jetzt ist es Zeit, einen Systemneustart zu machen: lesen Sie aufmerksam alle Warnungen, die die vorherigen Schritte unter Umständen erzeugt haben, und tippen Sie dann shutdown -r now ein.
Mehr Informationen über kernel-package enthält die tolle Dokumentation in /usr/share/doc/kernel-package.
[8] Es gibt auch andere Verzeichnisse, in die Sie die Kernelquellen entpacken und wo Sie Ihren eigenen Kernel bauen können, aber dieses ist der einfachste Weg, da er keine speziellen Berechtigungen erfordert.